Juli / August 2006

Restauration Fahrersitz

Die Sitze meiner DSpécial waren stark verschmutzt, aber nur der Fahrersitz war wirklich verschlissen. Alle anderen Sitze zeigten nur kleine Risse oder Beschädigungen. Das Bezugsmaterial ist schwarzes Kunstleder, "Targa Skai" oder "Targa-Vinyl" genannt, ein äußerst strapazierfähiges Material. Im Mittelteil der Polsterung bilden sich im Laufe der Jahre leicht Risse an den Nähten. Mein erster Weg ging zu einem Autosattler in der Nähe. Ich wollte den Fahrersitzbezug dort neu machen lassen. Leider sah sich der Mann nicht in der Lage, das passende Bezugsmaterial aufzutreiben, statt dessen empfahl er mir eine komplette neue Lederausstattung für mehrere tausend Euro. Dankeschön! Bei den einschlägigen DS Teilehändlern kostet so ein Bezug um die 180 Euro. Ich startete erst einmal eine Anfrage im Club-Forum. Im zweiten Versuch fand ich endlich jemanden, der noch einen alten Sitz hatte, aber auch beschädigt. Bei einer Ebay-Auktion bekam dann noch günstig eine komplette Innenausstattung in schwarzem Targa-Vinyl. Jetzt hatte ich genügend unbeschädigtes Material zusammen, mit dem ich den Fahrersitz reparieren konnte.
Mit einem Nahtauftrenner aus dem Nähkasten löste ich das beschädigte Mittelteil aus dem besten Sitzbezug, den ich besorgt hatte.
Aus der Rückenlehne der Rücksitzbank entnahm ich das unbeschädigte Material.
Die Maße musste ich natürlich an den Vordersitz anpassen. Jetzt kam die große Frage, ob ich das Material mit der Nähmaschine nähen konnte. Ich besorgte dreifachen Zwirnsfaden (gewachst) und extrastabile Nähnadeln für Jeansstoff. Beim ersten Versuch verbog die Nadel. Also musste ich an den Ecken, wo das Material besonders dick übereinander lag, von Hand nähen. Mit Stopfnadel und Fingerhut schaffte ich es mühsam. Meine Frau meinte, warum ich denn keine gebogene Ledernadel mit spezieller Spitze genommen hätte? Wäre sicherlich besser gewesen! Aber ich wollte nicht extra 12km in die Stadt dafür fahren. Die langen Nähte konnte ich zum Glück mit der Maschine nähen.
Alle DS-Fahrer/-innen kennen den gelben Staub, der oft aus den Polstern rieselt, weil der Schaumstoff sich langsam auflöst. An den Rändern war auch bei meinem Sitz dieses Phänomen zu beobachten. Ich sprühte Haarspray darauf, um ihn zu fixieren.
Der Polsterkern besteht aus Latex. Erstaunlich guter Zustand! An der Unterseite habe ich die zwei Streifen Nesselstoff ersetzt, die den Latexkern gegen Abscheuern am Untergestell schützen sollen.
Auch die stark belasteten Oberkanten außen sind durch Nesselstoff geschützt.
Im Bezug selbst befindet sich ein identischer Streifen. Aber welch eine Schande: Die wurden ab Werk mit normalen, rostenden Metallklammern zusammengetackert!
Der neue Bezug ist aufgezogen. Auf den Latexkern kommen vorher noch zwei Bahnen Kleber, damit der Bezug nicht verrutschen kann. Auf den Sitzfedern sollte die Schutzfilzauflage unbeschädigt sein, ebenso die beiden Extrastreifen dicker Filz in der Mitte. Der Nesselstoff vorn, sowie hinten zusammen mit dem Jutestreifen am hinteren Teil des Bezuges und der rückseitigen Abdeckung, werden mit Kupfer- oder Stahlklammern am Gestell befestigt (dafür gibt es wahrscheinlich auch eine Spezialzange).
Rundherum läuft ein verzinkter Draht, der am Ende mehrmals durch eine Öffnung gezogen, gespannt und fixiert wird.
Rückseite des Drehrades zur Lehnenverstellung. Fahrer- und Beifahrersitz scheinen identisch zu sein. Lediglich das Drehrad ist jeweils anders montiert. Die Kugel wird mit einer Feder angedrückt, sie sollte etwas Fett haben und nicht verrostet sein. Nachdem das Rad mit der Schraube (SW 8) befestigt wurde, kommt nur noch die Abdeckkappe drauf. Dabei ist es hilfreich, die Aussparungen der Kappe genau über diejenigen des Rades zu platzieren. Dann geht das Aufhebeln besser!
Und fertig! Ich bin zufrieden, nach ca. 12 Stunden Arbeit am Sitz. Ich habe natürlich auch noch das Untergestell ein wenig enrostet und lackiert und die Laufschienen gefettet.
Zum Schluss noch die Zeichnung aus dem Ersatzteilkatalog 604 von1970.